Das alte Backhaus am Landmaschinenmuseum auf Lammers Hof
| Was wäre das renovierte Backhaus auf Lammers Hof und dem anliegenden Landmaschinenmuseum, wenn der Steinofen stets kalt bliebe? Nachdem der Ofen im Jahre 1991 wieder funktionstüchtig hergestellt war, dauerte es ein Weilchen, bis in dem Bäcker Heinrich Knieper und seinem Heizer Anton Funke genau die richtigen gefunden wurden! Heinrich Knieper, der ab 1944 bei dem hiesigen Bäcker Wieling das Backen sogar im Steinofen gelernt hatte, konnte sich noch an viele kleine Kniffe erinnern, die zum Gelingen des Brotes notwendig waren. Vor allem das richtige Brandholz spielt eine wesentliche Rolle, um eine Überhitzung des Ofens zu vermeiden. Dass zu Anfang trotzdem ein Ofen voll Brot wegen zu großer Hitze schwarz wurde und im Müll landete, ließ sich natürlich auch nicht vermeiden. Aber mit viel Geduld und Gelassenheit sowie dem klaren Ziel, Leckerbissen in dem Steinofen zu zaubern, gelang das Backen immer besser und sicherer. |
Noch glüht das verbrannte Holz im Steinofen |
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Die Teigwaage wird auf das richtige Maß eingestellt |
In den ersten Jahren stellte die Riesenbecker Bäckerei Bernhard Wieling nicht nur einen alten "Schüwer", also einen hölzernern Brotschieber zum Ein- und Ausschieben des Brotlaibe, sondern zusätzlich vor allem eine Knetmaschine zur Herstellung des Brotteigs zur Verfügung. Das bedeutete eine wesentliche Erleichterung des sonst schweren Knetens von Hand dar. Später konnte eine gebrauchte Knetmaschine erworben werden, die im Backhaus ebenso ihren Platz fand wie eine Waage der Bäckerei Wieling zum Verwiegen der Teigzutaten. Nach und nach kamen weitere Gerätschaften hinzu, viele davon angefertigt aus den geschickten Händen der Mitglieder der Rentnergruppe. Im Herbst 2006 konnte schließlich auch der langersehnte Wasseranschluss im Backhaus installiert werden. |
| Um den Steinofen vollständig auszunutzen sind der Teig für 48 Brote zu kneten und die entsprechende Anzahl Brotlaibe zu formen und zu portionieren. |
Die Laibe werden geformt |
![]() Heini Knieper und Anton Funke (v.l.n.r.) beim Formen und Portionieren der Brotlaibe |
Die erste Backware aus dem Steinofen war zunächst ein typisches Mischbrot, natürlich frei von industriellen Zusatzstoffen. |
| Bereits 1995 wagten sich Heinrich Knieper und Anton Funke an das Backen des aus hochwertigen Rohstoffen bestehenden Weggens heran, früher ein typischer Weise radrundes Brot aus Weizenmehl mit Rosinen. Zu der im April des selben Jahres vom Heimatverein Riesenbeck mit Kriegsteilnehmern der Kämpfe zu Ostern 1945 im Brumley-Tal durchgeführten Gedenkveranstaltung steuerten die Steinofenbäcker erstmals auch mehrere Weggen bei. |
Heini Knieper beim Kneten des Weggenteigs |
Frisch gebackener Weggen |
Neben Bauerbrot und Weggen erfreuten insbesondere in der Advents- und Weihnachtszeit die nach einem alten Rezept gebackenen Spekulatius die Leckermäuler. Daneben verließ auch so mancher "Platenkoken", also auf Backblechen gebackener Streuselkuchen oder ähnliches, den Ofen, einmal sogar zwei riesige Bratpfannen mit köstlich zubereiteten Wildenten! |
| Die Aufträge für das Backen kommen in erster Linie vom Heimatverein Riesenbeck, der sich um die Unterhaltung des Gebäudes und des Ofens sowie das ganze Drumherum, z.B. geeignetes Backholz kümmert. Die Brote sind dann unter anderem auf dem Weihnachtsmarkt oder bei besonderen Anlässen am Landmaschinenmuseum zu erwerben. Daneben wird in Absprache mit den Bäckern auch angeheizt, wenn Vereine oder Gruppen, Kindergärten und Schulklassen Brote haben möchten oder den Bäckern über die Schulter schauen wollen. Dann fällt es den Bäckern nicht zu schwer, den Ofen bereits einige Tag vorher vorsichtig auf die richtige Temperatur zu bringen und am Backtag selbst, oft in aller Frühe, ihre schweißtreibende Arbeit aufzunehmen. |
Säubern des Knettisches für den nächsten Teig |
Anton Funke bei der Reinigung des erhitzten Steinofens |
Auch das gehört dazu: Wenn der Ofen durch das Brandholz auf die richtige Temperatur erhitzt ist, wird die Asche entfernt und der Steinboden mit Lappen und Wasser gereinigt. |
| War zunächst Heini Knieper der alleinige Bäcker vom Dienst, so gesellte sich ab 1997 der gelernte Bäcker Alois Hatke aus Gravenhorst dazu. Dann durfte der eine oder andere Bäcker auch mal krank sein oder an einer Feier teilnehmen, obwohl gebacken werden musste. Zu dritt gestaltete sich die Arbeit aber wesentlich leichter. So war es ein großer Verlust, als Heini Knieper wegen gesundheitlicher Probleme die letzten Brote und Weggen zum Weihnachtsmarkt 2001 aus dem Steinofen holte. Fast neun Jahre lange hatte er Erfahrungen gesammelt und an die Mitstreiter weitervermittelt. Eine persönliche Verabschiedung und Würdigung seiner Arbeit nahm der Vorsitzende des Heimatvereins Riesenbeck, Jörg Echelmeyer, vor. Doch zur Freude aller ging das Backen weiter. Alois Hatke und Anton Funke erfüllten die vielen Wünsche nach den Köstlichkeiten zur vollsten Zufriedenheit aller. |
Alois Hatke bestreicht die ungebackenen Brotlaibe |
Verabschiedung der alten und Einführung der neuen Bäcker am 29.12.2006 v.l.n.r.: Jörg Echelmeyer, Albert Elshoff, Franz Thalmann, Hans Muhmann, Alois Hatke, Anton Funke, Klaus-Werner Kahl |
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Text: Klaus-Werner Kahl, 27. Januar 2007